Wer denkt, dass Spielzeugautos nur etwas für kleine Jungs sind, liegt völlig falsch. Ebenso wie ihre großen Vorbilder bieten die inzwischen mittels tiefgreifender Detaillierung zu Kleinkunstwerken gereiften Modellautos denjenigen Menschen, die davon leben, eine verlässliche und lukrative Existenzgrundlage. Es ist eine Branche, über die der Außenstehende aber nur wenig weiß und die nur selten - wie zum Beispiel durch das Miniatur-Wunderland in Hamburgs Speicherstadt - in den Fokus der Öffentlichkeit rückt.
Die Fertigungszahlen der Modellautoindustrie, deren Netzwerk sich rund um den Globus spannt, stehen denen der großen Vorbilder in nichts nach. Alleine eine in Deutschland führende Firma und ihr Vertrieb bewegen ein jährliches, geschätztes Umsatzvolumen von 82.500.000,00 Euro mit einem einzigen Katalogjahrgang! Mit diesem Konzept soll verdeutlicht werden, wie ein Blick hinter die Kulissen aussehen kann.

Mercedes 560 SEL W126 aus heutiger Fertigung, Maßstab 1:43, Verkaufspreis 28,60 Euro
Matchbox, Siku, Wiking, Corgi Toys, Schuco oder Gama waren beziehungsweise sind klangvolle Namen von Herstellern derjenigen Spielzeugautos, mit denen auch Männer gespielt haben, die heute mit teuren Mittelklassewagen unterwegs sind. Waren deren Spielzeugautos früher für wenige Pfennige zu haben, so werden heutige Modellautos zunehmend von den Automobilfirmen als Werbemittel eingesetzt und darüber hinaus über die Vertragshändler der Marken sowie über den Fachhandel verkauft. Kleine und große Betriebe führen heute immer filigraner und detallierter Aufträge aus, die sie von den Automobilkonzernen zur Verkleinerung deren Modellpalette erhalten.
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Aber woher kommen die Modelle?
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Wer fertigt sie?
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Wer sind die Menschen, die sie ausliefern und verkaufen?
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Und wer unterliegt der Faszination Modellauto?
Aachen. Hier sitzt ein Unternehmen, das von 1990 an mit seiner Produktpolitik für eine Revolution im Modellautogeschäft gesorgt hat: Kleinserienmodellqualität zum niedrigen Preis – die Grundlage eines nicht mehr zu wiederholenden Geschäftserfolges. Vom Audi A8 über den Porsche 997 bis hin zum Volkswagen Phaeton; vom Opel Astra über den Mercedes CLS bis hin zum Alfa Romeo Brera – es gibt kaum eine Marke, zu der die Firma aus Aachen kein maßstabsgerecht verkleinertes Modell baut.
Zeitgleich zur Vorstellung eines Vorbildes soll es zur Unterstützung des Verkaufsstarts der Originale in den Maßstäben 1:87, 1:43, 1:55 und 1:18 passende Modelle geben, die im Qualitätsanspruch den Vorbildern gerecht werden. Und ebenso wie ihre großen Vorbilder werden auch die kleinen Modelle außen wie innen in Detaillierung, Qualität und Ausführung immer perfekter. Da diese zum Verschenken fast schon zu teuer sind, feiern derzeit preiswertere Give-away-Ausführungen ihr Comeback. Dass inzwischen auch die Vergangenheit deutscher Automobilmarken durch entsprechende Modelle aufgearbeitet wird, zeigt, dass die Modellautos auch zur Traditionspflege der Autohersteller eingesetzt werden.
Wo entstehen die Modellautos?
China. In den feinsäuberlich gehalten Hallen des nahe bei Peking gelegenen Industriegebietes entstehen jeden Tag tausende Fahrzeuge vom Typ Porsche Cayenne. Doch nicht etwa, weil die Porsche AG die Produktion ihres Geländewagens von Leipzig nach China verlegt hätte. Nein, dort werden die Verkleinerungen des SUV gebaut, und zwar im Maßstab 1:43, also dreiundvierzig mal kleiner als das Original. Filigrane Lenkräder im Holzlook, minimale Navigations-Bildschirme, Sitze, Sicherheitsgurte, Schalter und Knöpfe vollenden das meist perfekt kopierte Äußere auch in 1:43 zu einem Kleinod deutscher Ingenieurskunst.

Porsche 911 Typ 997, Maßstab 1:43, Verkaufspreis 33,00 Euro
Mülheim. Andreas B. ist Sammler und Modellautohändler. Er hat seine Stelle als Kundendienstberater bei Volkswagen aufgegeben und sein Hobby zum Beruf gemacht. Über seinen Tresen verkaufen sich nicht nur die "Butter- und Brot" Modelle à la Golf&Co, sondern auch teure Luxuslimousinen, reinrassige Rennwagen aus der Formel 1 und der DTM. Andreas B. erzählt, wie sein Alltag aussieht, was er an den Modellen liebt und wer die Käufer sind, die seinen Lebensunterhalt sichern: Vom Arzt bis zum Steuerberater, vom Schüler bis zum gestanden Vorstandsmitglied, Juristen, Kreative, Handwerker oder Kaufleute – kaum eine Bevölkerungsgruppe kann sich der Faszination der kleinen Autos in den Maßstäben 1:43, 1:18 und 1:87 entziehen.
Wieso Modellautos; wieso Modellbau?
Sie alle haben mit den Betreibern von Modelleisenbahn-Anlagen oder Flughäfen im Kleinformat gemeinsam, dass sie sich mit dem Ausleben ihres Sammelthemas eine kleine eigene Welt schaffen und sich darin von den Strapazen des Alltages erholen. Einerseits ist es das Stück ihrer Jugend, das mit einem bestimmten Modellauto wiedererwacht; andererseits ist es die Lust an der Technik, durch die sich für den Sammler von Eisenbahnen, Schiffen, Flugzeugen und Autos im Kleinmaßstab Abwechslung vom Alltag erschließt.
China. Die Arbeiterin in der großen Halle schraubt gerade klassische Mercedes-Modelle zusammen. Sie poliert ihre Fingerabdrücke weg und gibt dem kleinen Kunstwerk namens 560 SEL den letzten Schliff. Sie interessiert sich nicht wirklich für Autos, aber sie ist dankbar für den Job in der feinen, sauberen Produktionsstätte. In ihrer kargen Wohnsiedlung genießt sie die Hochachtung, die man ihr dafür entgegenbringt, dass sie bei der angesehenen deutschen Firma arbeitet. Ihr Lohn liegt weit unter dem, was in Deutschland für diese Arbeit bezahlt werden würde, doch hier kommt sie glänzend zurecht und kann mehr als einen wertvollen Beitrag zu der Ernährung ihrer Familie leisten. Die Fertigung von Spielzeug und Modellautos ist in China eine boomende Branche, die für realen Wohlstand unter der ehemaligen Bauernbevölkerung sorgt. Und durch die Produktion im fernen Osten bleiben die Modelle, die von Jahr zu Jahr an Präzision gewinnen, in Deutschland und Europa bezahlbar. Von China aus gehen sie in die ganze Welt.
Aachen. In geheimen Labors mit zahlreichen Computern und anderer High-tech entstehen hier die Pläne, Formen beziehungsweise Programme für die Fertigung der neuesten Alfa, Mercedes, Bentley und Ford. Der Chefingenieur weiß auf prägnante Weise zu erzählen, wie die Produktion der kleinen Autos abläuft und spricht über die Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern, die für immer kürze Entwicklungszeiten und höhere Produktqualität sorgt. Und durch diese Produktion errechnet sich ein gigantisches Zahlenwerk: Es entsteht alleine durch die Modelle eines einzelnen Herstellers ein Umsatzvolumen von 82.500.000,00 Euro jährlich.
Rechnet man mit einem Durchschnittsverkaufspreis von 25,00 Euro pro Modell und einer Mindestauflage von 3.000 Stück, kommt man auf 75.000,00 Euro alleine durch dieses eine Auto. Doch es gibt Hersteller, die etwa 1.100 (meist teurere) Modelle in ihrem jährlich neu erscheindenden Katalog listen: Die 82.500.000,00 Euro werden somit sicher übertroffen. Ein riesiger Wirtschaftsfaktor, den sich der Normalbürger selten vor Augen führt.

Volkswagen Phaeton, Maßstab 1:18, Verkaufspreis etwa 53,00 Euro
Hinzuzurechnen bei der Einschätzung des Marktes sind die Umsätze der zahlreichen anderen deutschen Traditionshersteller und neuen Kleinserienfirmen, die in Deutschland entwickeln und herstellen. Darüber hinaus gibt es einen internationalen Markt, der von Unternehmen aus Frankreich, Italien, Amerika und Asien beschickt wird. Auch hier wächst Europa zusammen, denn neuerdings werden die Werbemodelle deutscher Autohersteller unter anderem auch von einer französischen Firma gefertigt.
Man sucht dazu verstärkt nach preiswerten Einstiegsmodellen und Ideen, um neue Käuferscharen zu gewinnen: 40 Millionen Smart-Modelle, die im Rahmen einer Kooperation zwischen Ferrero und Smart in Überraschungseiern neue Liebhaber gefunden haben, ließen neue Zielgruppen entstehen. Die Fertigung von Lastkraftwagen und Bussen aus der Vergangenheit und der Gegenwart haben in den letzten fünf Jahren eine neue Sammelleidenschaft entfacht.
Neue Vertriebswege im Automodellhandel
Zu den neuen Modellen gesellen sich auch neue Vertriebswege. Der Autohändler gewinnt als Absatzweg der Modelle seiner Marke zunehmend an Bedeutung. Im Autohaus kann der Sammler die Modelle auch günstiger erstehen als im Fachhandel. Der Fachhändler dagegen behält seine Position, weil der Erwerber gerne anfasst, was er kauft und er beim Händler eine umfassendere Beratung erhält. Über ebay findet ein schwungvoller Handel mit Modellautos statt, der die Tauschbörsen von einst fast ersetzt.
Fortschritte bei der Fertigung
Es werden aber nicht nur neue Zielgruppen und Angebote geschaffen, sondern auch die Fertigung macht gravierende Fortschritte: Vergleich man einen Porsche 911 von vor zehn Jahren mit dem neuen 997 von heute, wird klar, dass sich nicht nur die echten Fahrzeuge technisch weiterentwickelt werden. Ein Modellauto vom Mercedes W126 von 1985 und eines aus heutiger Fertigung – die Bilder zeigen, dass mittlerweile Welten zwischen diesen Modellen liegen, was Qualität und Detaillierung angeht.

Mercedes W126 aus der Fertigung um 1985