ECKHOUSE
Arbeitstitel zur Dokusoap
"Die kleine Kneipe an unserer Straße ..." – wer kann sich nicht an die Liebeserklärung erinnern, die Peter Alexander in Form eines großen Hits gegenüber all denjenigen kleinen Kneipen abgegeben hat, die über unsere Städte und Dörfer verteilt sind?
Die Ausgangslage
Was damals auf eine romantisch-verklärte Weise besungen wurde, ist auch heute noch Dreh- und Angelpunkt im Leben vieler Bürger. Ganz gleich, ob Hartz-4-Empfänger, Selbständiger, Rentner, verlassene Ehefrau oder gehörnter Ehemann: Vertreter alles Bevölkerungsschichten finden sich in den Kneipen an der Ecke ein, um den berühmten Absacker nach einem anstrengenden Tag zu nehmen, die Zeit ihrer Arbeitslosigkeit zu überwinden oder der Wirtin gegenüber ihr Herz auszuschütten.
Eine Eckkneipe bildet einen Mikrokosmos, in dem man unendlich viele Geschichten finden und nacherzählen kann – immer hautnah am Leben. Einen direkteren Kontakt zum Leben gibt es nicht, denn in einer Eckkneipe breitet sich die ganze Fülle des Lebens aus: Emotionen wie Glück, Leid, Trauer, Depression, Feierstimmung, Tränen, Traurigkeit, Selbstmitleid lassen die Gäste hier freien Lauf. Aus Angst vor der Zukunft, aus Beziehungskrisen heraus, aus Wut über den Verlauf des eigenen Schicksals oder aus Freude am augenblicklichen Hoch im Leben. Alle Ups and Downs vereint auf 40 oder mehr Quadratmetern; ein prall gefüllter Pool vielfältiger Lebensgeschichten – das ist die Eckkneipe in der Nachbarschaft. Geführt von einer Ersatzmutter und Lebensberaterin, verständnisvoll oder auch tadelnd:
Die Wirtin
Milli Knoppan zum Beispiel führt das "Monopoly" an der Kreuzstraße 27, nur unweit von der glanzvollen Königsallee Düsseldorfs. Doch hier verkehren nur sehr wenige Yuppies aus den benachbarten Banken und Anwaltskanzleien. Ins "Monopoly" gehen die Rentner und Arbeitslosen aus der Gegend um die Oststrasse. Seit nunmehr 17 Jahren führt Milli ihr Gasthaus. Sie ist Mutter eines Sohnes, der widerum eine eigene, kleine Familie gegründet hat.
Die Gäste kommen gerne auf ein Bier vorbei. Die mütterliche Art von Milli und die Eigenschaft, sich Zeit für das Anhören aller Sorgen und Nöte ihrer Gäste zu nehmen, hat ihr viele Freunde beschert. Ganz gleich, um wen oder was es geht – ihre Geduld, allen ein Ohr zu leihen und sich die zahlreichen Geschichten um Leid und Freud ihrer Gäste anzuhören, zeichnet die Wirtin aus. Ein Rat hier, ein Tip da .. und manchmal auch eine Frikadelle gratis zur Stärkung und zum Fassen neuen Lebensmutes – dies alles gibt es im "Monopoly".
Doch nicht nur da – Kneipen wie das "Monopoly" gibt es an vielen anderen Ecken Düsseldorfs, von Nordrhein-Westfalen, Deutschlands und Europas; Kneipen, deren Wirte und Wirtinnen mehr Lebenshilfedienstleister sind, als manch Sozialarbeiter bzw Therapeut in Beratungsstellen oder Arztpraxen. Es erwachsen Freundschaften und die Grenzen zwischen Kunde und Anbieter verschwimmen fließend ins Private.
Das Konzept zur Dokusoap
Das "Monopoly" ist nur ein Beispiel für eine Branche, in der es nicht nur um Essen und Trinken geht, sondern in der aktive Lebenshilfe praktiziert wird. Nirgendwo sonst prallen Emotionen aller Kategorien so dicht aufeinander, wie in einer Eckkneipe. Ob man das Leid ersäuft oder Hochzeit feiert – Trauer und Glück liegen hier eng beieinander.
Und gerade deshalb ist es ein unerschöpflicher Pool für eine Dokusoap. Wenn man das Leben in einer Eckkneipe, das Leben ihrer Gäste und ihrer Betreiber bis ins kleinste Details mit der Kamera verfolgt oder festhält, erhält man ein Spiegelbild des Lebens, der Meinungen, der Befindlichkeiten, der Schicksale und erfaßt damit alle Bevölkerungsschichten bzw zeichnet ein realitätstreues Abbild der Stimmung in unserem Land.
In dem man die Eckkneipe auch einmal verläßt, mit den besonders interessanten Gästen nach Hause geht oder das Leben der Wirtinnen und Wirte nachzeichnet, kommt man in den Besitz abwechslungsreicher Bilder und Geschichten, die für 25 Minuten täglich über einen langen Ausstrahlungszeitraum ausreichen. Einblicke ins Leben der Wirtsleute, deren Motivation, deren Freud und Leid ebenso wie in das Dasein der Gäste und deren Probleme – ein Fundus unerschöpflicher Unterhaltung.
Beispiele
Raimund,59, ist mit seiner zweiten Firma gescheitert. Er war Auftragnehmer einer Baufirma, wurde nicht bezahlt und mußte Konkurs anmelden. Der Witwer hadert mit seinem Schicksal zwischen Sozialamt und dem Trauern um vergangene Erfolge.
Katja, 24, hat es schwer, gleichzeitig Geld zu verdienen und sich um ihre zweijährige Tochter zu kümmern. Die Alleinerziehende wurde von ihrem Freund sitzengelassen, weil sie als Prostituierte arbeitet. Manchmal treffen sie sich in der Eckkneipe.
Uwe, 34, hat ein steifes Bein, gilt als schwerbehindert und kann keiner normalen Arbeit mehr nachgehen. Er fühlt sich minderwertig und ungebraucht , fühlt sich ausgestoßen und freut sich, wenn er der Wirtin in der Küche helfen darf.
Karl, 64, ewiger Junggeselle, ehe- und kinderlos. Seine guten Tage sind längst vorbei und er ist sich im Klaren darüber, daß die Höhepunkte, die er noch vom Leben erwarten darf, Siege beim Skat in der Eckkneipe sind.
Rainer, 22, arbeitslos, ungelernt. Ein Bier hier, ein Smalltalk und eine geschnorrte Zigarette da. Seine Ansichten zu Politik und Staat sind eher fragwürdig. Schafft die Wirtin es, dem jungen Mann neuen Lebensmut einzuhauchen?
Dominik, Börsenmakler an der nahegelegenen Börse. Er braucht das normale Leben abseits der Kurse und flüchtet in die Kneipe in der City. Allerdings spürt er auch, daß es vielen Menschen nicht so gut geht. Er versucht, Anteil zu nehmen.
Maria und Wolfgang, 55 und 60, ein altes Ehepaar, das mit seinem Geld nicht auskommt und deswegen seine Streits immer häufiger in die Kneipe trägt. Die Wirtin muss sich einiges einfallen lassen, um hier helfen zu können.
Renée, 34, kommt mit ihrer Einsamkeit nicht zurecht. Sie flüchtet sich in Männerbekanntschaften, die ihr jedoch nur neuen Frust einbringen. Was kann die Wirtin tun, um der alleinstehenden Frau die Augen zu öffnen?
Und letztlich: Wie gestaltet sich das Leben einer Wirtin? Wie sieht ihr Alltag aus? Wie kommt sie mit den Problemen in ihrer eigenen Familie zurecht? Was verdient sie, was reizt sie an ihrem Gewerbe? Einkauf, Großmarkt, Küche, Bier, Karneval, Speisekarte, Lebenshilfe und betrunkene Gäste – Schlagworte, die zu vielen weiteren Inhalten führen. Inhalte für einen Programmvorschlag, wie er über einen längeren Zeitraum noch nicht realisiert wurde. Dies fernseh- und internetgerecht zu ändern und mitzubegleiten, dies ist unser Angebot.

Monopoly, Kreuzstr. 27
22.05.08