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Nofretete - Grundlagenermittlung, Einführung, Fakten & Fiktion
Gegenüberstellungen und Erläuterungen zur Arbeit vom 14.11.02

Nofretete, neben Cleopatra die wohl schönste und anmutigste Frau des antiken Ägyptens, ist die Hauptfigur eines Konzeptes für einen opulent zu inszenierenden Kinofilm oder Zweiteiler für das internationale Fernsehen. Der Name Nofretete bedeutet die Schöne, die da kommt. Ihr Leben und Wirken bilden den Kern der Story zu diesem Projekt. Jeder kennt die wunderschöne Büste Nofretetes; aber niemand hat in den letzten 45 Jahren einen Spielfilm über diese starke Frau gemacht! Eine Frau, die mit zunehmendem Alter in ihr fremde Aufgaben wachsen musste; ähnlich wie Prinzessin Diana oder Kate Middleton. Schon damals war sie somit eine Frau von heute!

Vergleich Fakten der Geschichte vs. Fiktion unseres Buches

Mit nachfolgender Gegenüberstellung möchten wir Ihnen eine kleine Einführung zu unserer Geschichte geben, um zu erläutern, wie dicht wir uns mit dem fiktiven Teil der Story an die wissenschaftlich belegten Fakten in Bezug auf Nofretete und ihr Leben halten bzw anlehnen. Die offenen Fragen in der geschichtlichen Forschung rund um Nofretete lassen uns aber weit mehr Handlungsspielraum, als Wolfgang Petersen ihn bei Troja hatte. Wir erzählen unsere Geschichte so, wie sie hätte sein können - ohne geschichtlichen Fakten zu widersprechen, aber historische Lücken (wie im Falle Nofretetes unbekannter Herkunft) konsequent füllend. 

Beschreibung

Das Drehbuch erzählt einerseits die tragisch verlaufende Liebesgeschichte zwischen Nofretete und Thutmosis, einem angesehenen Künstler und Bildhauer aus der Zeit ab 1370 v. Chr. und andererseits Nofretetes Entwicklung und Leben als Pharaonin an der Seite von Echnaton (Amenophis IV). Um ihr Volk im Kampf zwischen altem und neuem Glauben vor einer Schreckensherrschaft durch die Hohepriesterin Eje zu beschützen, muß Nofretete mitansehen, wie ihre große Liebe einer mörderischen Intrige zum Opfer fällt. Die Königshäuser des alten Ägyptens – nirgendwo sonst liegen Glück und Grausamkeit, Liebe und Sterben so nahe beisammen, wie zu der Zeit der Pharaonen. Das konfliktreiche Leben einer wunderschönen und starken, nahezu vorbildhaft modernen Frau als bildgewaltiges Epos um Liebe, Leiden, Macht und Tod: Nofretete.

Zielgruppe

Nofretete richtet sich an das Publikum, das Filme wie Die Arche Noah, Julius Cäsar, Jason und das Goldene Vlies, Johanna von Orleans, Alexander der Große, Die Nebel von Avalon, Troja, Trenck, Jesus Christus, Rome, Die Tudors und Cleopatra anschaut. Mit Nofretete jedoch bieten wir widerum einen starken Frauencharakter als Hauptfigur, denen wir Männer unterschiedlichen Typs und Charakter zur Seite stellen.

Fakten & Fiktion - eine Gegenüberstellung

Nofretete und Echnaton waren tatsächlich ein Ehe- bzw Königspaar. Die Literatur sprach von ihnen als das exzentrische Königspaar. Echnaton hieß zunächst Amenophis IV. Die Ehe ist tatsächlich erst nach dem Tode von Amenophis III, Echnatons Vater, zustande gekommen. Nofretete hat ihrem Ehemann sechs Töchter, aber keinen Sohn, geschenkt. Sie hat jedoch seine Visionen zu einer Erneuerung der Religion mitgetragen.

Echnaton gilt in der Literatur als intellektueller Revolutionär; der einzige seiner Art in der Geschichte der Pharaonen. Nofretete hat diese Eigenschaft mit ihm geteilt. Genau, wie bei uns erzählt, hat Echnaton dem Glauben an den Reichsgott Amun erst Jahre nach seiner Krönung zum Pharao abgeschworen und sich dem Gott Aton, der Sonnenscheibe, zugewandt. Zu diesem Zeitpunkt änderte er seinen Namen von Amenophis IV in Echnaton (bedeutet: Wirkender Geist des Aton). Wir haben uns in dieser Story vereinfachend dafür entschieden, ihn nur Echnaton zu nennen. Tatsächlich wurde er in seinem Wirken immer von seiner Gattin Nofretete unterstützt.

Was Nofretete und Echnaton schufen, war eine erste Form des Monotheismus. Ein enormer Bruch, denn ägyptische Pharaonen waren dafür bekannt, dass sie an alten Religionen, Riten und Traditionen festhielten. Nicht aber Nofretete und Echnaton. Zunächst ließen Nofretete und Echnaton ihrem Gott Aton einen Tempel Nahe Theben errichten. Doch dies beschwor den Widerstand der in Theben lebenden Priesterschaft Amuns herauf. Sie wollten Aton nicht. Um dessen Unabhängigkeit von der althergebrachten Gesellschaftsform um Amun und Amuns Priesterschaft zu demonstrieren, ließen Nofretete und Echnaton tatsächlich etwa 380 km nördlich von der bisherigen Hauptstadt Theben somit die neue Hauptstadt und Residenz Achetaton errichten; auch Amarna oder El Amarna genannt (siehe auch Ausführungen unter der entsprechenden Rubrik links in der Navigation).

Die Stadt Achetaton im Drehbuch und der Realität

Auf einer dreizehn mal fünf Kilometer großen Halbkreisebene entstanden kleine, aber prachtvolle Ziegelbauten. Nofretetes Anliegen war es tatsächlich, den Bürgern dieser Stadt ein Leben in Wohlstand und ohne Not zu bereiten. Sie kümmerte sich aktiv um die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Die Palast- und Tempelbauten wiesen tatsächlich eine luxuriösere Dekoration und Ausstattung auf, als diejenigen in Theben; alles ganz so, wie in unser Story beschrieben. Nofretete und Echnaton ließen eine neue Form der Kunst schaffen; so, wie bei uns erzählt. Der sogenannte Amarna-Stil unterschied sich von der bisherigen Kunst in zwei Punkten: Einerseits wurden der Pharao und seine Familie erstmals in vertrauter, familiärer Umgangsform dargestellt; ganz im Gegenteil zur vorhergehenden Zeit, die Pharaonen nur in kriegerischen Posen zeigte. Der zweite große Unterschied war der, daß man von einer flächigen Darstellungsform in eine reliefartige überwechselte.

Darüber hinaus änderte sich auch die Gestaltung der menschlichen Körpers; nicht künstlich geschönt, sondern der unbedingten Wahrheit verpflichtet wurden die Menschen fast schon zu eiköpfigen Wesen entstellt. Mit leicht abfallenden Schultern und schlanken Hälsen und Beinen. Erschaffer der neuen Künste war tatsächlich ein Bildhauer namens Thutmosis; im Gegensatz zu unserer Geschichte jedoch ist nicht überliefert, dass dieser ein Verhältnis mit Nofretete hatte. Dies ist frei erfunden.

Gleichwohl aber wurde nie geklärt, wieso Nofretete von einem auf den anderen Tag aus den Aufzeichnungen verschwunden ist. Wissenschaftler vermuten, dass sie Echnaton betrogen haben könnte und somit verbannt wurde. Die Nähe zwischen Nofretete, Echnaton und Thutmosis war groß; Nofretete könnte somit leicht ein Verhältnis mit ihm – Thutmosis – gehabt haben. Thutmosis gilt als Schöpfer der bemalten Kalksteinbüste von Nofretete, die wir heute in Berlin bewundern können. Diese Büste, in Amarna gefunden und weltweit bekannt, hat uns zu dieser Story inspiriert.

Die Büste soll jedoch nur eine Arbeitsübung in einer Schulklasse Thutmosis‘ gewesen sein. Wie die in den Bildhauerateliers Achetatons (Amarnas) gefundenen Skulpturfragmente und Studien zeigen, bewiesen die dort beschäftigten Künstler beim Porträtieren der königlichen Familie, insbesondere der Königin, eine Meisterleistung, die ihresgleichen suchte. Von den künstlerischen Gepflogenheiten vergangener Epochen abweichend, in denen man Menschen steif und in vorgeschriebenen Positionen wiedergab, entwickelten die Bildhauer unter Echnaton einen freien Porträtstil. Einige der Gesichter wirken erstaunlich lebendig und lebensnah; die Körper wirken natürlich und haben nicht selten etwas Sinnliches.

Echnaton bisexuell?

Die Andeutung einer bisexuellen Beziehung zwischen Echnaton und einem seiner Diener im ersten Teil unserer Story findet insofern Unterstützung in der Wissenschaft, als dass Echnaton nachgewiesenermaßen kein Interesse an seinem Harem hatte! Aber, einer Quelle nach, ein Verhältnis mit Semenchkare, einem späteren Mann einer seiner Töchter, der später auch Pharao geworden sein soll.

 Büste Echnaton

Nofretete wie Echnaton galten als Revolutionäre des Pharaonenzeitalters, wie sie es zuvor und nach ihnen nicht mehr gegeben hat. Quasi ihr ganzes Leben lang haben sie gegen die althergebrachten Gottheiten gekämpft und – wie bei uns beschrieben – die Bildnisse des Reichsgottes Amun tatsächlich zerstören lassen. Den Würdenträger Eje haben wir aus dramaturgischen Gründen zur Frau gemacht; tatsächlich war er ein hoher Priester. Auf Echnatons mächtige Mutter Teje haben wir verzichtet, weil sich Charaktermerkmale ihrer Figur in derjenigen unserer Hohepriesterin wiederfinden.

Die Giftanschläge unserer Hohepriesterin Eje auf Echnaton gab es wohl nicht; doch Echnatons epileptische Anfälle wurden mit zunehmendem Alter immer stärker. Ob wir diese darstellen oder sie, wie im aktuellen Treatment, doch nur als Schwächeanfälle aufgrund eines Herzleidens zeigen (von dem andere Aufzeichnungen sprechen), bleibt auf den Ablauf der Handlung ohne Auswirkung. Echnaton war gesundheitlich zeitweise stark angeschlagen; wir führen dies in jedem Fall auf ein Handeln unserer Hohepriesterin Eje zurück und integrieren dies als Folge einer Vergiftung in unsere Story.

Andere Darstellungen der Literatur sprechen auch davon, dass Eje ein Feldherr und späterer Pharao war, der sogar Nofretetes Vater gewesen sein soll. Doch wirkliche Belege für die Herkunft und auch den Tod Nofretetes gibt es nicht. Die Geschichte ihres Eintritt in den Hof Ägyptens konnten wir demnach frei gestalten. Auch ihr Verbleib wurde nie geklärt, was wir wiederum ins Ende unserer Story übernommen haben.

Widersprüche in der Frage zu Echnatons Tod

Die Aufzeichnungen über Echnatons Tod widersprechen sich. Zum einem heißt es, er habe Nofretete verstoßen und sei dann gestorben; zum anderen aber heißt es, Echnaton sei zuerst gestorben, weswegen Nofretete dann den König des Nachbarlandes (Nubien), Supilulliuma I., um die Entsendung eines Sohnes zur Sicherung der Thronfolge gebeten hat. Doch dieser Sohn wurde auf dem Weg zu Nofretete ermordet. Diese Fassung haben wir in unsere Story übernommen.

Ganz sicher nicht hat der König von Nubien seinen Sohn Tutenchamun Nofretete zur Seite gestellt, um gegen die Amun-Priesterschaft vorzugehen. Denn erstens war – wie von uns übernommen – Supilul (der Name wurde von uns gekürzt) auch Anhänger der althergebrachten Gottheit, die von Echnaton zeitweise ausgeschaltet wurde; zum anderen war Tutenchamun noch zu jung, um an der Seite Nofretetes zu kämpfen. Aber es ist überliefert, dass Tutenchamun die älteste Tochter Nofretetes zur Frau genommen hat. Insofern deckt sich dies wieder mit unserer Story. Ebenso wie die Tatsache, daß Tutenchamun nach dem Verschwinden Nofretetes Achetaton aufgegeben hat und Theben wieder zur Hauptstadt machte; auch Amun, der Reichsgott, kehrte wieder zurück und ließ Aton in Vergessenheit geraten.

Das Überleben des Amarna-Kunststiles

Nur der Amarna-Kunststil hat seine Schöpfer Nofretete und Echnaton eine kurze Zeit überlebt, was durch die Ausgrabung späterer Grabstätten bewiesen wurde. Unserem Zeitgeist und den bisherigen Gepflogenheiten der Filmgeschichte entsprechend haben wir das Alter der Figuren natürlich an die heutigen Verhältnisse angepaßt. Abgesehen davon waren wir in der Lage, bis auf die Affaire Nofretetes mit Thutmosis und der Figur der Hohepriesterin die Lebensgeschichte von Nofretete so zu erzählen, wie sie wahr ist beziehungsweise stattgefunden hat.

Nofretete in Reportagen des deutschen und englischen Fernsehens

Aktuelle Reportagen der Jahre 2006/2007 im deutschen und englischen Fernsehen sprechen auch davon, dass Nofretete die Mutter Tutenchamuns gewesen sein soll. Dies wird aber inzwischen wieder ausgeschlossen. Eine Nebenfrau Echnatons namens Kira soll die Mutter des Kindskönig gewesen sein. Wir lassen diese Spekulation der Geschichte aber unberücksichtigt. Keine Antwort gibt es bisher auf die Frage, wo Nofretete abgeblieben ist; es wurden weder die Mumie noch ein Grabmal gefunden, während der Sarg Echnatons inzwischen identifiziert worden ist.

Aber auch die kriegerisch-kämpferische Auseinandersetzung zwischen den Soldaten Echnatons und Supiluls, dessen Truppen von Eje in ihrem Tempel versteckt werden, ist frei erfunden. Diesen Glaubenskrieg um die Frage, welcher Gott nun die Vorherrschaft in Ägypten gewinnt, haben wir erdichtet. Es hat ihn nicht gegeben. Gleichwohl wollten wir dem Zeitgeist damit Rechnung tragen, weil der Zuschauer heutzutage solche Kampfeselemente in derartigen Filmen, wie wir ihn hier realisieren wollen, ebenso erwartet, wie eine spektakuläre und emotional anrührende Liebesgeschichte.

17.07.06